| IXS EDC 02.07. - 04.07.2010 |
| Written by Sebastian Kammerer |
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Ilmenau Himmelblau
Bereits seit 14 Jahren werden in der kleinen Universitätsstadt im Thüringer Wald erfolgreich Rennen ausgetragen. Die Homepage des Veranstalters www.absoluteabfahrt.de versprach "volksfestartigen Charakter". Zudem war Sonne pur und Temperaturen bis zu 36°C angekündigt. Unterkunft konnte man im chilligen Fahrerlager suchen, welches direkt an einem Bach mit schattigen Bäumen liegt und unmittelbar neben an noch ein großes Freibad aufweisen konnte. Das tollste: Freibadnutzung war inbegriffen!
Für die drei Gravity Pilots Max Mittelbach (Free Junioren), Marc Vaccaro (Elite Men) und Sebastian Kammerer (Free Senioren) Grund genug sich der Sache mal anzunehmen. Schließlich galt es wichtige Punkte zu sichern!
Freitag früh geht's auf die ca. 300 km lange Reise: Kein Verkehr, nix los, also Blinker links und ab die Post. Gegen 10 Uhr kamen wir an, bauten unser Zelt auf und inspizierten die Strecke zu Fuß (wie üblich zwischen 12 und 14 Uhr). Loser Boden an vielen Stellen, Hängende Kurven, Anlieger, Anlieger die manchmal nicht besonders stabil aussahen, garniert mit ein paar Sprüngen und Bodenwellen, viele schräg verlaufende Wurzeln und eine Zieleinfahrt auf dem alten Hang einer Skisprungschanze: Das könnte spaßig werden!
Andre und Thomas aus Bad Orb bzw. Fulda waren zwischenzeitlich auch zu uns gestoßen und wir begannen unser Training. Die ca. 220 Höhenmeter der Strecke wurden erstmal etwas behutsam erkundet, mit zahlreichen Stopps, um sich die Strecke einprägen zu können. Da der Streckenverlauf gegenüber den vorherigen Rennen verändert wurde, ging es wohl vielen so. Andere gaben auch gleich zu Beginn mal ordentlich Gas und wurden kurz darauf mit Crash und DNS (did not start) bestraft.
5 Runden später war die Angelegenheit aber dann doch schon als flowig zu bezeichnen. Die Strecke rockt, wir hatten Spaß! Etwas leidlich war der Transport nach oben: Per Pritschenbus - das ging noch, da sehr luftig und angenehm, nur leider etwas staubig oder per Sprinterbus - das war ein echter Saunagang, bei geschlossenen Türen, 36°C und 10 Mann Besatzung mit Bikes. Viel Trinken war angesagt, um die Konzentration zu halten und nicht zu dehydrieren.
Die abendliche Belohnung der Strapazen wurde gemeinsam mit dem befreundeten Rennteam AMOK aus Gudensberg bei Kassel und weiteren Freunden begangen: Ab ins Freibad!
Käpt'n AMOK konnte an diesem Abend seine Bestform mit dem Gewinn der "Größten-Ar***bombe", als auch beim anschließenden Abräumen des "sick-trick-awards" mit seinem gekonnten "closest-to-milf-jump" unter Beweis stellen. Der bis dato unbekannte Lokalmatador "Leonidas" mit Waschbrettbauch, Klötenhose und Vollbart musste sich auf Platz 2 geschlagen geben.
Auf der Veranda des Schwimmbadlokals sitzend und mein Sandwich essend, die Sonne und den Blick auf die bewaldeten Hänge des Thüringer Waldes genießend, entfleuchte mit während dessen, leicht ironisch: "So stell' ich mir downhillfahren vor."
Aber so ganz abwegig, wie zunächst gemeint und gedacht, war der Satz dann doch gar nicht… Downhill fahren ist nicht nur mit dem Rad bergabfahren. Da kommt noch viel mehr dazu, gerade bei solchen Veranstaltungen wird das deutlich. Man ist in der Natur, weg von Stadtluft und Büro, man riecht das Holz und den nassen Waldboden (bzw. in diesem Fall den staubtrocknenen).
Nah an der Natur, in der Natur und weit weg vom Alltag. Die Konzentration während dem Fahren vertreibt die Sorgen und bringt einem auf neue, positive Gedanken. Frühes Aufstehen, nicht zu spät ins Bett, fit bleiben und was aus dem Tag machen. Auf Reisen gehen und Leute kennen lernen - gemeinsam Spaß haben - war das nicht genial in Ilmenau? Fast 400 Fahrer und dann noch aus 13 Nationen, von Schweiz bis England und Finnland! Gemeinsamer Zusammenhalt, gemeinsames Erkunden der Strecke und die strategischen Überlegungen zur Ideallinie… Der Transport per Shuttle nach oben und das gemeinsame Fluchen über die letzten 60 Höhenmeter, die es zu schieben galt. Gemeinsames kochen und campen bzw. Appartements unsicher machen. Genial - das möchte ich nicht mehr missen!
Am nächsten Tag wurde es ernst: Die Seedingruns stehen auf dem Programm. 7 Uhr klingelt der Wecker, aufstehen und Frühstück. Mittlerweile waren auch Marc B. und Rene B., welcher kurze Zeit später ebenfalls Mitglied sein sollte, aus dem Schwarzwald angereist und hatten bei uns ihr Lager aufgeschlagen.
8 Uhr ging's los mit dem ersten Transport nach oben, wir machten ca. 3 - 4 Treiningsläufe. Marc V. konnte als Elitefahrer noch etwas mehr Zeit lassen, die Jungs dürfen ja länger trainieren (auch mal ohne Hobbyklasse auf der Strecke).
Wir feilten noch an ein paar Stellen an unserer Linienwahl, testeten neue Informationen von anderen Fahrern, die uns freundlicherweise zugetragen wurden ;-)
Am frühen Nachmittag war's dann wieder soweit. De Puls ging hoch, der Mund wurde trocken. Volle Montur mit Oberkörperpanzer, Vollvisierhelm, langem Trikot, Knieschützer, festen Schuhen und langen Handschuhen… bei 36°C ohne rettenden Schatten am Gipfel. Ich will hier weg, raus auf die Strecke, rein in den kühleren Wald. 30 Sekunden… 10… 5… 4… Los geht's.
Im Seeding weiß man ja nie, was einen so genau erwartet. Wie schnell ist der Fahrer vor einem, wie schnell der Knilch der danach kommt? Reichen 30 Sekunden Abstand oder gibt's Überholmanöver? Wie ist die Strecke unter Adrenalineinfluss, was macht die Ausdauer?
Alles lief ganz gut bei uns, keine Stürze, was die Hauptsache ist, aber ein paar kleinere Fahrfehler die Zeit kosteten. Ich durfte meinen Vordermann dann auch gleich noch auf halber Strecke überholen, was aber relativ problemlos ablief.
Die Zeiten im Seedingrun:
Max Mittelbach 2:37,1 Platz 12 (Klasse Free Junioren)
Anschließend war Fußball gucken vorm Red Bull Stand angesagt. Ruck zuck versammelten sich einige Zuschauer und fertig geracete Fahrer und die Stimmung stieg. 1:0, 2:0, 3:0 und noch eins drauf 4:0… was ein Traum! Verschwitzt und ausgepowert ging's danach erstmal wieder ins Schwimmbad. Im Schwimmbadlokal (mit großer Auswahl) waren wir mittlerweile bekannt und dank des großen Hungers und Dursts auch gern gesehen. Abends ging's (vorbei an der Schaumparty) zur Ridersparty. Coole Stimmung und coole Location - direkt open air am Zielbereich. Die grauenhafte Musik (drei Kerle mixen auf der Bühne wilde Geräusche zusammen) und der Gedanke an den morgendlichen Rennlauf bewegt uns dazu nicht allzu lang zu bleiben und so treten wir relativ früh den Heimweg an. Wieder 7 Uhr, der Wecker klingelt. Oh man, noch 10 Minuten. Nein! Aufstehen, Frühstück, fertig machen. Das noch neue Nicolai ION G-Boxx2 Downhillrad hat nun das dritte Rennen vor sich. Ich fühle mich mit dem Rad verwachsen, wie eine Einheit und ein treuer Untersatz, der einem vor dem schlimmsten bewahren kann. Bis auf gelegentliches Reifenaufpumpen am Hinterrad - hier fehlt etwas Tubelessmilch - bekommt der Untersatz praktisch kaum Wartung. Ab und an mal etwas Öl auf die Kette und die Federung etwas auf die unterschiedlichen Strecken angepasst. Nach jedem Rennlauf Abspritzen mit dem Gartenschlauch. Das ist alles. Und während sich einige die Zeiten in den Rennläufen mit abgerissenen Schaltwerken oder Ketten vermasseln, überkommt einem doch ein leichtes Schmunzeln, mit dem zufriedenen Gedanken, das richtige Bike unterm Hintern zu haben. Die Hinterbaukinematik ist der Oberwahnsinn: Auch in der 200 mm Einstellung brutal schluckfreudig bändigt das Ion alle Schläge, die sich in dem Weg stellen. Dabei ist es beim Antritt und beim Beschleunigen aus den Kurven extrem neutral und super agil. Jeder Tritt wird gnadenlos in Vortrieb umgesetzt, so dass das Mehrgewicht der Schaltbox nicht besonders auffällt. Einfach eine geile Technik. Besonders ausgepowert wird sich Sonntag nicht mehr, man braucht ja Energie für den Rennlauf. Also noch mal zweimal runter und Stellen angucken, die im Seeding nicht optimal waren. Der letzte Lauf wird noch mal ohne Stopp durchgerast. Max bekommt nicht genug und fährt noch zweimal hoch, während wir in der Chillecke auf den Couches hocken und etwas relaxen. Kurz nach Mittag ruft dann wieder die Pflicht und das Finale rückt näher. Während die knapp 40 Starter aus der Seniorenklasse vor mir immer weniger werden, steigert sich der Puls und man merkt ein Pochen am Hals. Mit dem Bike zur Startschranke vor rollen, die UCI Referees angucken, man nickt sich zu und los geht’s auf die Strecke. Aus dem Stand tritt man an was das Zeug hält einen kleinen Starthang hinunter, auch auf folgenden den 80 m Flachstück muss voll gepowert werden. Kette rechts würde Andy sagen. Dann kommt der Table (bzw. Stepup, wegen der hochgezogenen Landung), Körperspannung, Abflug, ca. 6 m Airtime und geschmeidige Landung. Reintreten und in den Wald eintauchen. Wurzeln, hängende Linkskurve mit losen Steinen und rein in den Hohlweg, gegen einen fetten Rechtsanlieger. Unmittelbar danach wieder Kompression im folgenden Linksanlieger, über's Ende abkürzen und wieder Gas in die lange Rechtskurve mit Anlieger. Raus aus dem Hohlweg, nur nicht bremsen, im vollen Speed geht's auf fies hohe, schräge Wurzeln zu. Ganz nah am Baum halten, Vorderrad hoch, abspringen und drüber. Der Reifen gibt komische Töne beim Aufschlag von sich, egal, weiter. Reintreten und den Double links liegen lassen (kostet zwar Zeit, minimiert aber das Risiko. Ist doch nur Hobby!) und über Wurzel und Wellenabschnitte drüber pushen. Rechtskurve, Linkskurve, dann an die Abkürzung denken und links aus der Strecke rausfahren, um einen besseren Kurvenradius zu haben und auf dem schnelleren, oberen Teil des trails rauszukommen. Achtung Baumstumpf und Wurzeln und jetzt wieder an die erstmögliche Einbiegung denken, wo weniger lose Steinbrocken liegen. Bremsen auflassen und in den Anlieger reindrücken, zweimal reintreten und zwischen zwei eng stehenden Tannen durch. Zwischen den Wurzeln durch und einen Absatz geschmeidig wegdrücken, raus aus dem Wald mit Speed in eine hängende Schotterkurve. Kurz anbremsen, einlenken, driften und über einen Kicker drüber. Einen Schotterweg gekreuzt und rein in einen steile Krater, der einen direkt wieder an der anderen Seite hoch katapultiert. Einbiegen in den nächsten Krater, Achtung lose, weiche und staubige Erde, unbedingt auf die Ideallinie achten und den kleinen Hügel treffen und in den Rechtsanlieger ziehen. Reintreten, geradeaus, es folgt ein Steinfeld. Körperspannung, Linie wie geplant, Lenker fest und durch. Die spitzen Kuhlen danach wegdrücken und nach oben die Wiese hoch schießen. NEIN! Wie im Seeding vom Pedal abgerutscht, das kostet Zeit! Rein in die Wiesenkurve, dann wieder bergab den Absatz wegdrücken und vollspeed in den Wald. Die Schreie und Anfeuerungen der Zuschauer nimmt man nur irreal wahr. An den Wurzeln abspringen, in die Kurve rein - kurz abbremsen und oben halten. Einfach über die schrägen Wurzeln drüber, werden die Reifen schon richten! Dann taucht man ein in eine fette 4er-Anliegerkombi. Adrenalin wird ausgeschüttet als man in Richtung Stepdown wieder ausgespuckt wird. Sprung wegdrücken, man wird komprimiert, auf jeden Fall links oben halten und nicht nach unten auf die schlechte Linie abrutschen. Also Gewichtverlagern und die schrägen Wurzeln wegpushen. Rechtskurve, gerade aus bergab in einen Anlieger einschlagen und herausschießen. Bodenwellen und Wurzeln wegdrücken, kleiner Stepdown, Zielsprung und runter geht's die ehemalige Skipisten ins Ziel. Was ein Gaudi.
Marc Vaccaro: 2:39, Platz 101(Klasse Elite Men) |

